GOÄ 75 richtig abrechnen: Wann der ausführliche schriftliche Krankheits- und Befundbericht wirklich zählt
GOÄ 75 ist eine dieser Ziffern, die in vielen Praxen Geld liegen lassen oder unnötige Rückfragen auslösen. Ich sehe das oft: Die Leistung wurde erbracht, aber falsch dokumentiert, falsch abgegrenzt oder mit der falschen Ziffer angesetzt. Genau das kostet Zeit und Umsatz.
In diesem Artikel zeige ich dir, wann GOÄ 75 berechnungsfähig ist, wie sie sich von GOÄ 70, 80 und 85 unterscheidet und worauf ich in der Praxis achten würde, wenn ich sauber und wirtschaftlich abrechnen will.
GOÄ 75: Was die Ziffer bedeutet
GOÄ 75 steht für einen ausführlichen schriftlichen Krankheits- und Befundbericht. Gemeint ist nicht irgendein kurzer Arztbrief. Es geht um einen Bericht, der den Krankheitsverlauf, die Befunde und die ärztliche Bewertung nachvollziehbar darstellt.
Das ist wichtig: Die Ziffer ist für mehr als eine reine Mitteilung gedacht. Wer nur knapp schreibt, was der Patient hat, landet oft eher bei GOÄ 70 oder gar nicht bei einer gesonderten Berechnung.
Die offizielle Grundlage findest du in der GOÄ-Übersicht der Bundesärztekammer. Für praktische Einordnungen ist auch der Überblick der GOÄ-75-Erklärung von Doctolib hilfreich.
Wann ist GOÄ 75 berechnungsfähig?
Ich rechne GOÄ 75 dann an, wenn ein schriftlicher Bericht mehr liefert als eine knappe Information. Entscheidend ist der Inhalt, nicht das hübsche Layout.
- ausführliche Darstellung von Anamnese und Verlauf
- Befunde mit nachvollziehbarer medizinischer Einordnung
- epikritische Bewertung, also die ärztliche Einschätzung
- schriftliche Ausarbeitung, nicht nur eine kurze Notiz
Wenn der Bericht im historischen Verlauf den Krankheitsverlauf darstellt, passt GOÄ 75 oft besser als eine kürzere Ziffer. Genau darauf weist auch die Abgrenzung von GOÄ 70 und GOÄ 75 bei PVS Südwest hin.
GOÄ 75 vs. GOÄ 70: Der Unterschied ist klar
Der häufigste Fehler: GOÄ 70 und GOÄ 75 werden verwechselt. Das kostet entweder Geld oder macht die Abrechnung angreifbar.
GOÄ 70 ist eher die kürzere schriftliche Mitteilung oder der einfache Bericht. GOÄ 75 geht deutlich weiter. Ich merke mir das so:
- GOÄ 70 = kurz, knapp, informativ
- GOÄ 75 = ausführlich, strukturiert, bewertet
Wenn du also Anamnese, Befunde und Bewertung sauber in einem längeren Schreiben zusammenführst, bist du in der Regel eher bei GOÄ 75. Die Bundesärztekammer beschreibt genau diese Abgrenzung bei Arztbriefen und Befundberichten.
GOÄ 75 und die typischen Stolperfallen
Die meisten Fehler passieren nicht bei der Leistung selbst, sondern bei der Zuordnung. Ich würde diese Punkte immer prüfen:
- Ist der Bericht wirklich ausführlich? Wenn nicht, keine GOÄ 75.
- Enthält er eine epikritische Bewertung? Ohne ärztliche Einordnung wird es dünn.
- Ist er schriftlich und eigenständig? Ein kurzer Vermerk im System reicht oft nicht.
- Gibt es Ausschlüsse? Manche Konstellationen schließen die Berechnung aus.
- Wurde die Leistung neben anderen Positionen korrekt abgegrenzt? Doppelte Abrechnung vermeiden.
Ein wichtiger Punkt: GOÄ 75 ist nicht einfach immer dann ansetzbar, wenn ein Brief geschrieben wurde. Der Inhalt muss den Umfang rechtfertigen. Genau hier entstehen in der Praxis die meisten Diskussionen mit Kostenträgern.
Was sollte in einem GOÄ-75-Bericht stehen?
Wenn ich einen Bericht so schreibe, dass GOÄ 75 sauber begründbar ist, achte ich auf diese Struktur:
- Anlass der Vorstellung oder Überweisung
- Anamnese mit relevantem Verlauf
- klinische und apparative Befunde
- medizinische Bewertung der Befunde
- Diagnose oder Verdachtsdiagnose
- Empfehlung für weiteres Vorgehen
Je klarer diese Punkte enthalten sind, desto besser lässt sich die Abrechnung verteidigen. Das ist kein Bürokratie-Thema. Das ist saubere Leistungserfassung.
GOÄ 75 im Alltag: So denke ich praktisch
In der Praxis frage ich mich bei jedem Bericht: Würde ein Dritter erkennen, warum dieser Text mehr Aufwand war als eine Kurzmitteilung? Wenn die Antwort ja ist, ist GOÄ 75 meist plausibel.
Gerade bei komplexen Verläufen, längeren Therapien oder mehreren Befunden lohnt sich die Ziffer. Denn hier steckt nicht nur Schreibarbeit drin, sondern echte ärztliche Auswertung.
So vermeidest du Ärger bei GOÄ 75
Wenn du möglichst wenig Rückfragen willst, arbeite ich mit diesen Grundregeln:
- klar dokumentieren, was berichtet wurde
- den Umfang sichtbar machen, nicht nur intern denken
- inhaltlich präzise bleiben, keine Textbausteine ohne Substanz
- GOÄ 70 und 75 nicht mischen, sondern bewusst wählen
- bei Unsicherheit die GOÄ-Regeltexte prüfen
Wenn du tiefer einsteigen willst, ist auch der Beitrag der Privadis-Übersicht zu GOÄ 75 sinnvoll, weil dort die inhaltliche Einordnung gut erklärt wird.
Häufige Fragen zu GOÄ 75
Ist GOÄ 75 immer neben einer Untersuchung berechnungsfähig?
Nein. Die Abrechnung hängt von der konkreten Konstellation ab. Entscheidend ist, ob der Bericht eine eigenständige schriftliche Leistung darstellt.
Reicht ein kurzer Arztbrief für GOÄ 75?
Nein. Kurzbriefe sind meist nicht ausführlich genug. Für GOÄ 75 braucht es mehr Substanz, mehr Struktur und eine ärztliche Bewertung.
Kann ich GOÄ 75 bei jedem Patienten ansetzen?
Nein. Nur wenn der schriftliche Bericht die Anforderungen erfüllt. Nicht der Patiententyp zählt, sondern der Leistungsinhalt.
Wie beweise ich den Aufwand?
Über eine saubere, nachvollziehbare Dokumentation. Wer Inhalt, Umfang und medizinische Bewertung klar dokumentiert, hat die beste Basis.
Fazit zu GOÄ 75
GOÄ 75 ist keine Standardziffer für jeden Arztbrief. Sie passt dann, wenn ich einen ausführlichen schriftlichen Krankheits- und Befundbericht erstelle, der Verlauf, Befunde und Bewertung nachvollziehbar darstellt. Wer das sauber dokumentiert, vermeidet Fehler, sichert Erlöse und spart Diskussionen.
Mein Rat ist simpel: Nicht raten, sondern den Inhalt prüfen. Wenn der Bericht ausführlich ist, klar bewertet wird und den Krankheitsverlauf sinnvoll abbildet, ist GOÄ 75 oft genau die richtige Wahl.